Rainer Schorr warnt die Generation 50 Plus

Banken vergeben immer weniger Kredite an ältere Kunden

Gerade im Alter wünschen sich die meisten Deutschen einen festen Wohnsitz, den sie ihr Eigentum nennen – ein Bedürfnis, das Rainer Schorr verständlich findet. Manchmal wird auch gerade kurz vor der Rente die eine oder andere Renovierung fällig, oder die Wohnung muss altersgerecht umgerüstet werden. Der Durchschnittsverdiener nimmt in diesem Fall gerne einen Kredit auf, um die drohenden Kosten in Raten zu begleichen. Das ist naheliegend. Doch Rainer Schorr ist aufgefallen, dass die deutschen Banken immer weniger Kredite an die Generation 50 Plus vergeben. Wer also Eigentum erwerben möchte, sollte das so früh wie möglich tun. Arbeitnehmer in den Fünfzigern, Rentner und Pensionäre werden Mühe haben, die Banken von ihrer Kreditwürdigkeit zu überzeugen.

Rainer Schorr weiß: EU Richtlinie verhindert leichtfertige Kreditvergabe

Grund für diese Entwicklung ist eine neue EU-Richtlinie über Wohnimmobilien-Kreditverträge. Mithilfe dieser Richtlinie sollte sichergestellt werden, dass sich niemand über seine Verhältnisse verschulden kann, erklärt Rainer Schorr. In Deutschland sei die Richtlinie jedoch zu scharf in nationales Recht umgesetzt worden. Deshalb hat sich hierzulande das Risiko der Banken für den Fall, dass ein Kunde seine Zahlungsfähigkeit verliert, deutlich erhöht. Die Banken müssen nun selbst haften. Diese Sicherheitsmaßnahme auf dem Finanzmarkt sorgt dafür, dass gerade die deutschen Banken viel höhere Kredithürden für ihre Kunden errichten. Nicht einmal der Wert einer Immobilie darf gemäß der neuen EU-Richtlinie länger als Hauptargument für die Kreditvergabe gehandelt werden. Stattdessen werden Kreditbewerber mit geringem, aber regelmäßigem Einkommen stark benachteiligt.

Verbraucher leiden unter der neuen Vorschrift

Ursprünglich wurde die EU-Richtlinie vor dem Hintergrund der vielen spanischen Rentner, die während der Finanzkrise ihre Immobilienkredite nicht mehr begleichen konnten, ins Leben gerufen. Dasselbe Desaster sollte Deutschland und den deutschen Banken erspart bleiben. Da die Wohneigentumsquote bei uns jedoch deutlich geringer ist als in Ländern wie Spanien oder Italien, hätte bei der Umsetzung in deutsches Recht mehr Spielraum offen gelassen werden müssen, sagt Rainer Schorr. Er findet, die Banken dürfen Geringverdiener, Rentner und Pensionäre nicht systematisch benachteiligen. Stattdessen sollte eine Prüfung der Kreditwürdigkeit und -fähigkeit für jeden Kunden einzeln stattfinden.